Gemeinschaftsgrundschule Pestalozzi

Gemeinsam lernen, forschen und bewegen

LRS-Konzept

zur Förderung von Schülerinnen und Schülern bei besonderer Schwierigkeit im Erlernen des Lesens und Schreibens

 

„Schule hat gemäß ihrem Auftrag die Pflicht, allen Kindern die notwendigen Grundlagen im Erlernen des Lesens und Schreibens/ Rechtschreibens zu vermitteln.“

Informationsschrift zum LRS-Erlass NRW (BASS 14-01 Nr. 1, Stand: 01.04.2015)

 

 

1. Begriffsdefinition und Ursachen

Obwohl Schule heute über vielfältige Formen der Unterrichtsgestaltung und Wissensvermittlung verfügt und durch Studien immer neue Erkenntnisse in der Förderung zum Tragen kommen, zeigt sich immer wieder, dass einige Kinder das Ziel des Lesen- und Schreibenlernens nicht erreichen.

Hier liegt meist eine sogenannte „LRS“ vor. Dieser Ausdruck wird als Synonym für verschiedene Begriffe wie: Lese-Rechtschreibstörung, Lese-Rechtschreibschwierigkeit, Lese-Rechtschreibschwäche oder auch Legasthenie verwendet. Jeder dieser Begriffe beschreibt jedoch unterschiedliche Nuancen des Problems, was von Medizinern heute am ehesten als Lese-Rechtschreibstörung bezeichnet wird.

Die Ursachen und Ausprägungen einer LRS sind vielfältig. Die Gründe liegen aber, im Gegensatz zur Legasthenie die genetisch bedingt ist, in der Entwicklung im Kindergarten- und frühen Grundschulalter. Es handelt sich um eine Entwicklungsstörung, oft mit Defiziten im auditiven bzw. logopädischen Bereich, die aber auch abhängig von der psychischen Situation und dem Umfeld des Kindes sein kann. Es kann eine Störung des Hörens, des Sehens oder der Sprache vorliegen. Auch begünstigen ein eher reizarmes Umfeld und wenig Leseangebote die Entstehung einer LRS genauso, wie bestehende Krankheiten oder soziale Probleme (Streitigkeiten…) im Elternhaus. Die psychologische Rolle des Zuhauses und dortige Unterstützungsangebote sind von großer Bedeutung in Bezug auf die Entstehung einer LRS.

So unterschiedlich die Ursachen aber auch sein mögen, ist allen Kindern gemeinsam, dass der Prozess des Lese- und Rechtschreiberwerbs deutlich

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langsamer voranschreitet und die dazugehörigen Abläufe und Voraussetzungen nicht in gleichem Maße automatisiert werden, als bei gleichaltrigen Kindern.

 

2. Erkennungsmerkmale

Eine Lese- Rechtschreibstörung liegt vor, wenn Kinder im 1. und 2. Schuljahr das Lesen und Schreiben nur schwer oder gar nicht erlernen oder deutlich weniger Erfolge erzielen als ihre gleichaltrigen Mitschüler. Sie zeigt sich auch bei Kindern, die dem allgemeinen Lese- und Schreibprozess nicht angemessen folgen können und bzgl. der graphemischen, phonologischen und der Buchstabenebene Unsicherheiten und Schwierigkeiten aufweisen. Oft haben die Kinder Schwierigkeiten, Wörter in Silben zu segmentieren, zeigen einen unzureichenden   Sprachrhythmus, eine verminderte auditive Merkspanne und gelegentlich eine verlangsamte visuelle Verarbeitung. Auffällig sind häufig ein geringer Wortschatz, Artikulationsstörungen, verringerte Aufmerksamkeit oder motorische Störungen mit unsauberer Handschrift, schlechter Stifthaltung und unsicherer Lateralität. Manche Kinder zeigen aber auch psychosomatische Auffälligkeiten, haben Hemmungen durch Misserfolge, haben Schulangst oder spielen in ihrer Unsicherheit den “Klassenclown“.

In den weiteren Schuljahren der Klassen 3 und 4 spricht man ferner von einer Lese- Rechtschreibstörung, wenn ein Kind mehr als drei Monate nicht ausreichende Leistungen im Lesen und Rechtschreiben zeigt. Es kommt zu einer hohen Fehlerzahl und zum typischen Verwechseln von ähnlich aussehenden oder ähnlich klingenden Buchstaben (b/d, q/g, g/k, b/p….). Zudem werden Buchstaben ausgelassen oder deren Reihenfolge vertauscht. Auch kommt es häufig zu einem fehlerhaften Gebrauch von Buchstabenverbindungen, da die Zusammensetzung unterschiedlicher Laute nur schlecht abgespeichert wird. Bekannte Rechtschreibstrategien werden nicht berücksichtigt oder übergeneralisiert. Im Bereich des Lesens werden oft nur Buchstaben am Anfang wahrgenommen und der Rest des Wortes wird dann (häufig falsch) antizipiert.

Bezeichnend für Kinder mit LRS ist, dass diese schulischen Probleme sich nicht in anderen Unterrichtsbereichen, die nicht lese- oder schreibgestützt sind, zeigen und sie dort eher gute Leistungen im Vergleich mit der entsprechenden Altersgruppe aufweisen. Auch verfügen die Kinder mindestens über einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten. Die verminderten Erfolge im Bereich Lesen und Schreiben weichen auffallend von den übrigen Leistungen ab.

 

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Es zeigt sich eine „Diskrepanz zwischen Intelligenzniveau und Lese- Rechtschreibleistung.“ (E. Benz, S. 48)

 

3. Rechtliche Rahmenbedingungen

Die Lese- und Rechtschreibstörung ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Klassifikationssystem ICD-10 als eine Entwicklungsstörung anerkannt und wird dort in den Klassifikationsstufen F81.0: Lese- und Rechtschreibstörung bzw. F81.1: isolierte Rechtschreibstörung aufgeführt. Die isolierte Lesestörung ist hingegen noch nicht in die Klassifizierung aufgenommen worden. Man schätzt, dass etwa 4% der Deutschen (und häufiger Jungen) von einer LRS/ Legasthenie betroffen sind. Dem muss die Schule und hier insbesondere die Grundschule durch spezielle Hilfen Rechnung tragen.

Das Recht auf individuelle Förderung ist diesbezüglich im Schulgesetz für das Land NRW verankert (Schulgesetz NRW – SchulG, vom 15.02 2005).

Zudem gibt es den Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 04.12.2003 i. d. F. vom 15.11.2007 in dem auf die Bedeutung von Sprache, Beratung und Förderung hingewiesen wird.

Das Recht auf individuelle Unterstützung durch innere und äußere Förderangebote ist ferner in der Verordnung über den Bildungsgang in der Schule (AO-GS)/ BASS 13-11 NR. 2 §4 festgelegt und ergibt sich auch aus dem speziellen LRS-Erlass BASS 14-01 Nr.1, der hierzu genauere Vorgaben zur Analyse, Förderungen und Leistungsbewertung macht.

 

3.1 Nachteilsausgleich

Laut dem Beschluss der Kultusministerkonferenz stehen Kindern mit Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben Hilfen zur Bewältigung ihrer Aufgaben zu. Dieser Nachteilsausgleich kann in Form von folgenden Maßnahmen denkbar sein:

 • Ausweitung der Arbeitszeit , z. B. bei Klassenarbeiten,
 • Bereitstellen von technischen und didaktischen Hilfsmitteln (z.B. Audiohilfen
  und Computer),
 

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• Nutzung methodisch-didaktischer Hilfen (z.B. Lesepfeil, größere Schrift,
  optisch klar strukturierte Tafelbilder und Arbeitsblätter)
  
(vgl. Beschluss der Kultusministerkonferenz)

Denkbar ist auch ein Vorlesen von Arbeitsaufträgen, ggf. das Stellen anderer Aufgaben oder in besonderen Fällen mündliches Abfragen von Wissen.

Die Möglichkeit des Nachteilsausgleichs wird formlos bei der Schulleitung beantragt, von der Klassenkonferenz abgesprochen und dann in Absprache/ Einverständnis mit den Eltern realisiert. (vgl. Arbeitshilfe: Gewährung von Nachteilausgleichen für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung und/ oder besonderen Auffälligkeiten in der Primarstufe – Eine Orientierungshilfe für Schulleitungen)

 

3.2 Leistungsbewertung/ Zeugnisse

Auf die Benotung in Klassenarbeiten kann laut LRS-Erlass in den Teilbereichen Lesen bzw. Rechtschreiben verzichtet werden und stattdessen die Leistung mit einer Bemerkung zum Lernfortschritt versehen werden.

Auch im Zeugnis können die entsprechenden Noten entfallen, wobei unter Bemerkungen auf eine LRS-Fördermaßnahme hingewiesen werden muss.

Bei der Erstellung der Gesamtnote Deutsch ist der Anteil der Rechtschreibung ansonsten „zurückhaltend zu gewichten“.

Für eine Versetzung oder den Übergang zum Gymnasium ist die Rechtschreibleistung bei vorliegender LRS nicht relevant.

 

4. Diagnose/ Diagnosehilfen

Zur Diagnose einer LRS sind zunächst einmal kein standardisierter Test und auch keine außerschulische Stelle erforderlich. Die erste Feststellung erfolgt durch den/die Deutschlehrer(in). Es sollten aber bereits ab Mitte des ersten Schuljahres Testmaterialien und Diagnosebögen eingesetzt werden, wenn sich eine verzögerte Entwicklung im Lesen- und Schreibenlernen vermuten lässt, damit Misserfolgen frühzeitig entgegengewirkt werden kann.

Hierzu wird in der Mitte und am Ende der Klassen 1 und 2 die Hamburger Schreibprobe (HSP1bzw. 2) und der Stolperwörter-Lesetest durchgeführt.

 

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Auch bietet das Buch „Damit LRS kein Problem wird, Diagnose- und Fördermaterial Klasse 1 und 2“ geeignete Materialien zur Überprüfung und Auswertung der verschiedenen, relevanten Bereiche mit entsprechendem Fördermaterial.

In den Klassen 3 und 4 wird weiterhin die HSP (3 +4) durchgeführt und wieder durch den Stolperwörter-Lesetest ergänzt.

 

Des Weiteren beruht die Diagnose auf einer detaillierten Dokumentation der festgestellten Defizite durch das Lehrpersonal. Stellen sich hier die oben angeführten Merkmale einer LRS heraus, sollte zunächst das Gespräch mit den Eltern gesucht werden, um evtl. Ursachen zu erkennen, eine gemeinsame Unterstützungsstrategie festzulegen und über weitere Fördermaßnahmen zu beraten.

Aber auch eine professionelle Unterstützung von Fachärzten oder Schulpsychologen/SPZ kann hier schon hinzugezogen werden, insbesondere, wenn es darum geht zur Feststellung der Entwicklung des Kindes einen Intelligenztest durchführen zu lassen. (BASS 14-01 Nr. 1, Abs. 2.1) 

Von Bedeutung ist hier, das Kind nicht nur mit seinen schulischen Schwierigkeiten wahrzunehmen, sondern auch die sozialen Aspekte (Familie, Mitschüler) und die emotionalen Voraussetzungen (Lernfreude, Belastbarkeit, Selbstbewusstsein) miteinzubeziehen.

„Grundlage für die förderdiagnostische Tätigkeit ist die Beobachtung
- des sprachlichen, kognitiven, emotional-sozialen und des motorischen        
 Entwicklungsstand,
- der Lernmotivation im Lesen und Schreiben und

- der Wahrnehmungsleistungen und -kompetenzen der einzelnen Schülerin oder
 des einzelnen Schülers mit besonderen Lernschwierigkeiten.“

(Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 04.12.2003 i. d. F. vom 15.11.2007)

 

 

 

 

 

 

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5. Förderung – Möglichkeiten und Maßnahmen


5.1 Vorschulische Förderung/ Kooperationsplan

Eine gezielte Prävention und Förderung müsste eigentlich schon im Vorschulalter ansetzen, um die Voraussetzungen für einen guten Schulstart zu schaffen. Hierzu bietet sich das „Bielefelder Screening“ an, das auch schon mit den kooperierenden Kindergärten genutzt wird. Sollten sich hier Verdachtsmomente für eine drohende LRS zeigen, kann dort etwa ein halbes Jahr vor Schulbeginn an dem Programm „Hören, lauschen, lernen“ gearbeitet werden. Hierauf sollte in Gesprächen und Vereinbarungen in einem Kooperationsplan weiterhin geachtet werden.

 

5.2 Schulische Förderung

Die Inhalte der Förderung sind vielfältig und müssen individuell für jedes Kind entsprechend seinem Leistungsniveau festgelegt werden. Sie sollten den Eltern und nach Möglichkeit auch den Kindern transparent sein.


5.2.1 Lernsituation analysieren

Nachdem Auffälligkeiten im Lese- und Schreibprozess diagnostiziert wurden, sollte nun, gemäß der rechtlichen Vorgaben, die individuelle Lernausgangslage dokumentiert werden.

„Um Schülerinnen und Schüler bei Lese- oder Rechtschreibschwierigkeiten (LRS) gezielt fördern zu können, ist es hilfreich, das Bedingungsgefüge der LRS möglichst genau zu kennen. Hierzu gehören

- schulische (z.B. Didaktik und Methodik des Lese- und Schreiblehrgangs sowie
  des Rechtschreibunterrichts, Lehrerverhalten),
- soziale (z.B. häusliches Lernumfeld, Verhalten der Mitschülerinnen und
 Mitschüler),
- emotionale (z.B. Selbstsicherheit, Lernfreude, Belastbarkeit, Umgang mit
  Misserfolgen),
- kognitive (z.B. Stand der Lese- und Schreibentwicklung, Denkstrategie,
  Wahrnehmung, Sprache),
- physiologische (z.B. Motorik, Seh- und Hörfähigkeit).“
 (LRS-Erlass, Bass 14-01 Nr. 1, Förderung von Schülerinnen und Schülern bei besonderen
  Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreiben (LRS))

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5.2.2 Förderziele festlegen

Zunächst sollte es darum gehen,

- die Lernfreude zu fördern
- die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein zu stärken
- Arbeits- und Lernstrategien zu vermitteln
- motorische Fähigkeiten zu verbessern
- Konzentrationsübungen zu durchzuführen
- die Merkfähigkeit und Denkfähigkeit durch Übungen zu unterstützen,

um dann auch

- Lernlücken zu schließen
- die Lesefertigkeit zu verbessern
- und die Rechtschreibsicherheit zu verbessern.


5.2.3 Allgemeine Fördermaßnahmen

Die erste Maßnahme bezieht sich auf die innere Differenzierung, d.h. den Förderunterricht im gewohnten Klassenverband, der in der Stundentafel ausgewiesen ist. Dies ist dann eine Hilfe, wenn es sich nur um eine leichte LRS handelt, deren Ursprung in direkten Zusammenhang mit dem Unterricht steht. Die Kinder verbleiben dabei in ihrer Lerngruppe und werden mit Material unterstützt, dass auf die Unterrichtsinhalte abgestimmt ist. Auch hier sollte man schon kleinschrittig vorgehen, um Misserfolge zu vermeiden und Motivation am Lesen und Schreiben zu stärken.

Helfen diese ersten Maßnahmen über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten nicht, liegen die Ursachen tiefer und es handelt sich nicht um einfache Lernlücken. Beschränken sich die Schwierigkeiten auch weiterhin nur auf den Lese- und Schreibprozess, sollten nach Rücksprache mit der Klassenkonferenz und der Schulleitung weitere Fördermaßnahmen eingeleitet werden.


5.2.4. Zusätzliche Fördermaßnahmen

Diese Maßnahme der äußeren Differenzierung bietet Förderstunden über dem üblichen Stundenplan hinaus und ist mit den Eltern abzustimmen. Die Schulleitung entscheidet hier über die Zusammensetzung der Lerngruppe und über den Zeitumfang. Wichtig ist, dass dieser Förderunterricht kontinuierlich

 

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Angeboten wird und die Lerngruppe nicht zu groß ist, um individuell fördern zu können. Die Gruppengröße sollte 6-10 Teilnehmer nicht überschreiten oder besser kleiner sein. Hier wird dann auch mit speziellem LRS-Material gearbeitet (s.u.).


5.2.5 Außerschulische Fördermaßnahmen

Nach oder besser noch zu Beginn der zusätzlichen Fördermaßnahme kann mit den Eltern über das Hinzuziehen von Fachleuten nachgedacht werden. Sinnvoll, aber nicht zwingend, ist eine LRS-Diagnose durch außerschulische Stellen wie z.B. Schulpsychologen. Hier können genauere Untersuchungen zu psychiatrischen Störungen (Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität…), psychosozialen Faktoren (Mitschüler..), psychologischen Hintergründen (Mobbing…) oder auch ein Intelligenztest durchgeführt werden. Bei einer durch Fachleute diagnostizierten LRS kann zudem ein Antrag auf Finanzierung einer außerschulischen Maßnahme über das Jugendamt (Eingliederungshilfe nach §35) oder das Sozialamt (Bildungs- und Teilhabepaket) gestellt werden.

 

6. Durchführung der Förderung

Für die Förderung ist es wichtig, zu beachten, dass hier sehr kleinschrittig vorgegangen werden soll und man erst zu einem neuen Übungsbaustein übergeht, wenn die vorherige Maßnahme automatisiert ist. Zudem sollte das Material systematisch aufeinander abgestimmt sein, um einen um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und keine Stufe zu überspringen.

 

6.1 Materialien

Um eine Kontinuität zu gewährleisten fördern wir hauptsächlich mit dem Kieler Leseaufbau, dem Kieler Rechtschreibaufbau und der Rabe Rechtschreibanleitung mit den dazugehörenden Ergänzungsmaterialien. Hier ist zu beachten, dass die Werke zum Teil aufeinander aufbauen.


6.1.1. Der Kieler Leseaufbau

Zuerst muss mit dem Kieler Leseaufbau begonnen werden. Damit werden zunächst die Grundlagen gelegt bzw. überprüft und gefestigt, um ein tragfähiges Gerüst zum Lesenlernen aufzubauen. Werden die einzelnen Phasen zu schnell


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durchlaufen oder wichtige Bausteine übersprungen, richtet das Kind seine Konzentration vielleicht im weiteren Prozess auf Abläufe, die schon automatisiert sein sollten. Für die Planung ist weiterhin zu empfehlen jede Stunde von der vorherigen zu wiederholen, um das Kind mit etwas starten zu lassen, was es schon kennt und womit es sich sicher fühlt. Zudem soll jede Stunde mit einem kleinen Spiel abgeschlossen werden, da so eine positive Haltung zu der Übungsstunde aufgebaut wird und das Kind mit „Freude“ aus der Förderung geht.

Aufbau des Materials:

Der Kieler Leseaufbau ist in 10 Stufen aufgebaut, die sich auf einfach strukturierte, lauttreue Wörter beziehen und noch nicht auf orthographische Regeln eingehen. In den Stufen 11-14 kommen Konsonantenhäufungen hinzu und danach folgen lange Wörter. Das Material ist für etwa 60 Stunden ausgelegt. Die Gruppengröße sollte möglichst klein sein (im Idealfall max. 4 Kinder), um die Übungen individuell gestalten zu können.

Inhalte der Förderung:
- Aufbau eines phonologischen Bewusstseins
- Abhören der verschiedenen Laute (zunächst Vokale)
- Arbeit mit Lautgebärden
- Lautieren von Silben und Verschleifen der Laute
- Zerlegen lauttreuer Wörter in Silben
- Arbeit mit Silbenbögen
- Beachten der Silbenkapitäne (Vokale)
- Lesen in Silben(!)
- Leseübungen

Materialangebot:
- Kieler Leseaufbau, Handbuch
- Arbeitsbögen zum Kieler Leseaufbau
- Vorlagen/Arbeitsblätter zum Kieler Leseaufbau
- Leitfaden zum Kieler Leseaufbau (vorgeplante Stunden)
- Variabolus Teil 1+2 (Silben/Schnelllesetraining)
- Kieler Lautgebärden
- Silbentrainingsboote
- Doppolino (ab Stufe 12)
- Kieler Hörtraining
- Lernsoftware: Spielend lesen lernen mit Lisa

 

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Zusätzliche Ideen :
(aus: Benz, Praxisbuch Legasthenie)


- Hinhören üben (Reime nachsprechen, Buchstaben aus Wörtern heraushören...)
- Gedächtnis trainieren (Memory, Koffer packen, Rhythmen klatschen…)
- Wortschatz erweitern (zu Bildern erzählen, Lieder singen, Verse sprechen…)
- Orientierungssinn fördern (links/rechts, Muster zeichnen/fortsetzen…)
- Konzentrationsfähigkeit fördern (Puzzle, KIM-Spiele, Elferraus…)


6.1.2 Der Kieler Rechtschreibaufbau

Im Anschluss an den Kieler Leseaufbau kann nun mit dem Rechtschreibaufbau gearbeitet werden, der auf orthographische Schwierigkeiten eingeht. Hierfür müssen folgende Grundlagen gelegt sein:

- vollständige Buchstabenkenntnis
- vollständige Laut-Buchstaben-Zuordnung
- Konsonanten und Vokale müssen verschliffen werden, d.h. zwischen
 Konsonant und Vokal darf sich keine Luft einschleichen
 (vgl. Rabe, Bd.2, S.12)

Der Übergang vom letzten Teil des Kieler Leseaufbaus zum Rechtschreibaufbau erfolgt fließend. Zu beachten ist nur der Unterschied in der Benennung. Erst wird in Stufen gearbeitet und dann in Listen.

Das Material sollte auch hier vielfältig und abwechslungsreich sein, um den Kindern immer wieder Freude am Rechtschreiben zu vermitteln. Wichtig ist zudem, dass Fehler nie beim Kind markiert werden (!). Fehler weisen auf die Vorbereitung des kommenden Materials hin und zeigen, was noch nicht automatisiert ist.

Aufbau des Materials:

Der Kieler Rechtschreibaufbau arbeitet mit Wortmaterial, das nach Schwierigkeit gestaffelt ist. Dabei wird insbesondere den Bereichen: Ableitungswörter,    Doppelungswörter und Dehnungswörter Beachtung geschenkt. Die Listen 1-2 stellen noch eine Wiederholung des Leseaufbaus dar. Das Wortmaterial soll dabei nicht einfach abgearbeitet werden, sondern stellt ein Angebot zur Auswahl dar. Hier sollte man die Auswahl ggf. auch mit den Vorgaben zum neuen Grundwortschatz abgleichen.

 

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Inhalte der Förderung:
- lauttreue Mitsprechwörter
- Konsonantenverbindungen
- Ableitungen
- Doppelungen
- Dehnungsformen
- gleiche Laute – unterschiedliche Buchstaben (v-w/f…)
- Fremdwörter
- Vor- und Nachsilben

Materialangebot:
- Kieler Rechtschreibaufbau, Handbuch
- Arbeitsbögen zum Kieler Rechtschreibaufbau, Band 1-4
- Kieler Rechtschreibaufbau, Übungskartei (Wortmaterial)
- Kieler Rechtschreibaufbau Spiele 1+2 (Wortmaterial)
- Doppolino (Erweiterungsmaterial)
- Lernsoftware: Der neue Karolus


6.1.3 Rabe – Rechtschreibanleitung

Die Materialien sind mit dem Kieler Rechtschreibaufbau kompatibel und verfolgen den gleichen Ansatz. Das Material arbeitet auch kleinschrittig mit Wortlisten und lässt sich parallel einsetzen. Die Rechtschreibanleitung ist in 40 Schritte eingeteilt und mit entsprechenden Stundenkonzepten versehen. Das Rabe-Rechtschreibtraining bietet zusätzliches Wort-, Spiel- und Übungsmaterial, wenn über längere Zeit gearbeitet werden muss.

Inhalte der Förderung:
- Mitsprechwörter (lautgetreu)
- Probierwörter (Ableitungen)
- Pilotsprachwörter (Doppelungen)
- Merkwörter (Dehnung, V-Wörter, X-Laute, Fremdwörter)
- Übungen zur Großschreibung
- das/dass
- Regelkarten/Tippkarten
- Spielvorschläge

Zudem bietet das Material Möglichkeiten der Fehleranalyse, mit der man eine Übersicht über Lernlücken erhalten kann.

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6.2 Ergänzende Materialien

Im Anhang befinden sich noch zusätzliche Materialangebote, die an der Schule zur Verfügung stehen und im Bedarfsfall hinzugezogen werden können, wie zum Beispiel das Material „Geist-Reich“, das auch auf Grundlage des Kieler Leseaufbaus (ab Stufe 11) konzipiert ist.

 

7. Bewertung der Förderung

Für jedes Kind wird ein individueller Förderplan erstellt. Die Lernfortschritte werden regelmäßig hinsichtlich der beabsichtigten Ziele überprüft. Zudem wird die Art der Fördermaßnahmen dokumentiert. Hierbei darf aber nicht übersehen werden, dass sich Erfolge bei einer Lese- Rechtschreibstörung  nicht unmittelbar nach kurzer Zeit zeigen, sondern dass eine LRS-Förderung ein länger andauernder Prozess ist.

 

8. Evaluation
Es ist angedacht, das LRS-Konzept zu Beginn des Schuljahres 2021/22 zu evaluieren und zu überarbeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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